Zur Erinnerung an Benno und Martha Rosenbaum verlegt Gunter Demnig am 29. Dezember 2019 Stolpersteine in der Kalchstraße 11.

Gedenken an NS-Opfer

Anlässlich des Gedenktags für die Opfer des Nationalsozialismus finden am Freitag im Allgäu Stolpersteinverlegungen, Stadtführungen, Ausstellungen und Vorträge statt.

Vor 78 Jahren befreite die sowjetische Armee am 27. Januar 1945 das Vernichtungslager Auschwitz. Darauf macht die Initiative Stolpersteine für Kempten und Umgebung in einer Mitteilung an die Presse aufmerksam. 1996 erklärte der damalige Bundespräsident Roman Herzog diesen Tag zum Nationalen Gedenktag an die Opfer des Nationalsozialismus, wie die Stolpersteininitiative aus dessen Proklamation zitiert: »Die Erinnerung darf nicht enden; sie muss auch künftige Generationen zur Wachsamkeit mahnen. Sie soll
Trauer über Leid und Verlust ausdrücken, dem Gedenken an die Opfer gewidmet sein und jeder Gefahr der Wiederholung entgegenwirken.«

»Gedenkgang für die Opfer des Nationalsozialismus« in Kempten

Gemeinsam mit dem Zeitzeugen Ernst Grube erinnern Antifaschist*innen 2019 am einstigen KZ-Außenlager in Kempten an die Opfer der Terrorherrschaft der Nationalsozialisten. (Photo: Kurt Wirth)

In diesem Sinne lädt die Initiative zum »Gedenkgang für die Opfer des Nationalsozialismus« am Freitag, dem 27. Januar 2023, ein. Treffpunkt ist um 18 Uhr am Brunnen vor dem Forum Allgäu.

»Wir treffen uns am ehemaligen Kemptener Bahnhof, von dem aus auch Kemptener Bürger in die Vernichtungslager des Ostens deportiert wurden«, so der Vorsitzende der Initiative, Martin Huss. Von dort gehe es am Stolperstein für das jüdische Opfer Rosa Löw vorbei zur Allgäuhalle, in der 1944 bis 1945 ein Außenlager des KZ Dachau untergebracht war. Dort wird der Vorsitzende des Kemptener Heimatvereins Markus Naumann über die Geschichte der Kemptener Außenlager und die Unterkunftsbedingungen der KZ-Häftlinge, vor allem der aus Frankreich stammenden, berichten.
»Gemeinsam mit Herrn Oberbürgermeister Thomas Kiechle gedenken wir zum Abschluss vor der Allgäuhalle aller Menschen, die durch das das NS-Regime ums Leben kamen oder unsägliche Leiden erlitten«, so Huss.

Zudem finden am 27. und 28. Januar Stadtführungen zum Nationalsozialismus in Kempten statt. Zur Teilnahme ist eine Anmeldung beim Kempten Museum vorgesehen.

Memmingen verlegt neun weitere Stolpersteine

Zur Erinnerung an Benno und Martha Rosenbaum verlegt Gunter Demnig am 29. Dezember 2019 Stolpersteine in der Kalchstraße 11.
Zur Erinnerung an Benno und Martha Rosenbaum verlegt Gunter Demnig am 29. Dezember 2019 Stolpersteine in der Kalchstraße 11.

Seit 2014 werden auch in Memmingen Stolpersteine zum Gedenken an von den Nazis verfolgte und ermordete Menschen verlegt. Inzwischen erinnern 121 Stolpersteine in Memminger Straßen an die Opfer der NS-Gewaltherrschaft. Weitere neun Steine werden am Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus um 15 Uhr vor den Anwesen Herrenstraße 14 und Kaisergraben 15 zum Gedenken an die Opfer der Familien Feibelmann und Rosenbaum verlegt. Die Schirmherrschaft über die Stolpersteinverlegungen liegt bei Oberbürgermeister Manfred Schilder.

Nachfahren der Familien Feibelmann und Rosenbaum sollen bei der Stolpersteinverlegung mit anwesend sein. Die öffentliche Verlegung der Stolpersteine beginnt um 15 Uhr in der Herrenstraße 14, die Bürgerschaft ist dazu herzlich eingeladen. Nach der Verlegung der Steine in der Herrenstraße geht man gemeinsam zur zweiten Verlegestelle zum Kaisergraben.

Organisiert werden die Verlegungen vom Verein Stolpersteine in Memmingen e.V. mit dem Vorsitzendem Rolf Spitz in Zusammenarbeit mit der Staatlichen Realschule Memmingen, die eine Patenschaft für die Stolpersteine übernommen hat. Schülerinnen und Schüler lesen bei der Verlegung der Stolpersteine biographische Notizen aus den Lebensgeschichten der Opfer vor und umrahmen die feierliche Stolpersteinverlegung musikalisch.

Zudem öffnet das Stadtmuseum Memmingen am Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus von 14 bis 17 Uhr die Sonderausstellung »Feibelmann muss weg. Ein antisemitischer Vorfall in der schwäbischen Provinz«. Auch hier scheint eine Anmeldung erforderlich.

Vortragsreihe und NS-Ausstellung in Bregenz

Die sogenannte Todesstiege, die das KZ Mauthausen mit dem Steinbruch »Wiener Graben verband. Heute lautet eine Inschrift am Fuße der Todesstiege: » Ihre heute gleichmäßigen und normal hohen Stufen waren zur Zeit des Konzentrationslagers willkürlich aneinandergereihte, ungleich große Felsbrocken der verschiedensten Formen. Die oft einen halben Meter hohen Felsbrocken erforderten beim Steigen größte Kraftanstrengung. Die SS vergnügte sich unter anderem damit, die letzten Reihen einer abwärts gehenden Kolonne durch Fußtritte und Kolbenhiebe zum Ausgleiten zu bringen, sodass sie im Sturze, ihre Vordermänner mitreißend, in einem wüsten Haufen die Stufen hinunterkollerten. Am Ende eines Arbeitstages, wenn der Aufmarsch ins Lager mit einem Stein auf der Schulter begann, trieben die den Abschluss bildenden SS-Leute Nachzügler mit Schlägen und Tritten an. Wer nicht mitkonnte, endete auf dieser Todesstiege.«
Die sogenannte Todesstiege, die das KZ Mauthausen mit dem Steinbruch »Wiener Graben verband. Heute lautet eine Inschrift am Fuße der Todesstiege: » Ihre heute gleichmäßigen und normal hohen Stufen waren zur Zeit des Konzentrationslagers willkürlich aneinandergereihte, ungleich große Felsbrocken der verschiedensten Formen. Die oft einen halben Meter hohen Felsbrocken erforderten beim Steigen größte Kraftanstrengung. Die SS vergnügte sich unter anderem damit, die letzten Reihen einer abwärts gehenden Kolonne durch Fußtritte und Kolbenhiebe zum Ausgleiten zu bringen, sodass sie im Sturze, ihre Vordermänner mitreißend, in einem wüsten Haufen die Stufen hinunterkollerten. Am Ende eines Arbeitstages, wenn der Aufmarsch ins Lager mit einem Stein auf der Schulter begann, trieben die den Abschluss bildenden SS-Leute Nachzügler mit Schlägen und Tritten an. Wer nicht mitkonnte, endete auf dieser Todesstiege.«

Die Mauthausen-Ausstellung des Vorarlberger Fotografen Marko Zink bietet den Rahmen für einen Thementag im Zeichen des Erinnerns an die Opfer des Holocaust. In Zusammenarbeit mit erinnern.at und der Johann-August-Malin Gesellschaft bietet das Vorarlberg Museum vormittags ein Programm für Schulen und nachmittags ab 15 Uhr eine Führung sowie eine Reihe von Vorträgen. Aus der Ankündigung:

15.00 Uhr: Ein Guide der Gedenkstätte Mauthausen berichtet

Adam Schmidtberger erzählt über seine Arbeit als Vermittler in der KZ-Gedenkstätte Mauthausen/Gusen. Bei seinen Führungen spielt auch die eigene Familiengeschichte eine Rolle: Der großelterliche Bauernhof grenzte an das Areal des KZ Gusen. Wie gestalteten sich die Beziehungen zwischen Konzentrationslager und Gesellschaft?

16.00 Uhr: Künstlergespräch mit Marko Zink

Mit dem Medium der analogen Fotografie nähert sich der aus Vorarlberg stammende und in Wien lebende Künstler Marko Zink (* 1975) dem Grauen des Holocaust an. Sein Motiv ist Mauthausen – Ort und Synonym für die Auslöschung Zehntausender Menschen. Die verwendeten Filme stanzt, kocht oder behandelt Zink mit Chlor und Tintentod, bevor sie belichtet werden. Dadurch wirken die Fotografien wie historische Fundstücke und künden von der Auslöschung der abgebildeten Menschen ebenso wie vom Tilgen der Erinnerung. Der Fotokünstler reflektiert den Wandel vom Tatort zur Gedenkstätte und betreibt dabei eine vielschichtige Spurensuche.

17.00 Uhr: freitags um 5: Erbarmungslos verfolgt. Die Geschichte einer Vorarlberger Widerstandsgruppe

Die »Aktionistische Kampforganisation« (AKO) war eine von zwei bekannten Vorarlberger Widerstandsgruppen. Die AKO wollte das NS-Regime bekämpfen, wurde aber schon verraten, bevor sie wirklich aktiv wurde. Den Richtern war das egal: Sie verurteilten ein Mitglied zum Tod und die anderen zu langen Haftstrafen. Markus Barnay im Gespräch mit dem Historiker Florian Guggenberger, der die Geschichte der auch nach 1945 nicht gewürdigten Gruppe erforscht hat.

19.00 Uhr: Vortrag Werner Dreier: Der Ariseur und der Massenmörder aus Bregenz – Harald und Irmfried Eberl

Aus einer deutschnationalen Familie stammend, besuchten Harald und Irmfried Eberl das Gymnasium in Bregenz und studierten danach in Innsbruck – der eine Jus, der andere Medizin. Beide engagierten sich als Burschenschafter und wurden illegale Nationalsozialisten. Nach der Machtübernahme der Nazis machten sie Karriere: Harald Eberl wurde als Rechtsanwalt Spezialist für Arisierungen und führender nationalsozialistischer Landespolitiker. Irmfried Eberl leitete als Arzt »Heil- und Pflegeanstalten«, in denen Tausende Menschen ermordet wurden, bevor er als Kommandant des Vernichtungslagers Treblinka etwa 280.000 Tötungen verantwortete. Nach dem Zusammenbruch des nationalsozialistischen Regimes tauchte Irmfried Eberl in Süddeutschland unter; 1948 wurde er verhaftet und nahm sich in der Haft das Leben. Harald Eberl gelang es, sich der Entnazifizierung in Vorarlberg zu entziehen und im deutschen Wirtschaftswunder seine Karriere erfolgreich fortzusetzen.


Hilfe: Du hast selbst einen Übergriff erlebt?

Dann kannst du Hilfe bei B.U.D. Bayern bekommen. Das ist eine unabhängige Beratungsstelle für Betroffene von rechten, rassistischen und antisemitischen Übergriffen.

Zeug_innen können sich an B.U.D. Bayern wenden, dann wird der Vorfall registriert und Betroffenen geholfen – wenn sie das wollen.

Eltern, Angehörige und Freunde von Jugendlichen, die sich rechts orientieren, können Hilfe bei der Elternberatung bekommen.

Und wenn du selbst etwas gegen Rechts unternehmen willst, steht dir die Mobile Beratung zur Seite.

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