Die antisemitische Denkstruktur des Verschwörungsglaubens im Kontext von Corona

Verschwörungserzählungen haben sich im Zuge der Coronapandemie in Bayern weit verbreitet. Dabei spielt Antisemitismus eine zentrale Rolle, wie eine neue Broschüre der Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus (RIAS) Bayern zeigt.

Am 9. Mai 2020 wurde auf einer sogenannten Coronademo in München eine Fotomontage gezeigt, auf der Menschen von Polizisten gewaltsam »zwangsgeimpft« werden. Auf den Uniformen ist ein an den Davidstern angelehntes Emblem mit der Inschrift »Zion« zu sehen. RIAS Bayern hat allein zwischen dem 1. Januar und dem 31. Oktober 2020 58 derartige antisemitische Vorfälle mit einem verschwörungsideologischen Hintergrund dokumentiert. 46 davon wurden auf Kundgebungen und Demonstrationen bekannt, die sich meist gegen die tatsächlichen oder imaginierten staatlichen Maßnahmen zum Infektionsschutz richteten. Einige davon ereigneten sich auch im Allgäu.

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In der nun vorliegenden Broschüre »›Das muss man auch mal ganz klar benennen dürfen‹ – Verschwörungsdenken und Antisemitismus im Kontext von Corona« geht RIAS Bayern den Fragen nach, warum Antisemitismus so eine große Rolle im verschwörungsideologischen Milieu spielt, warum Verschwörungserzählungen für bestimmte Menschen attraktiv sein können und wie man darauf reagieren kann. In einem ausführlichen Glossar beleuchten die Verfasser anhand von Beispielen von bayerischen »Coronademos« die unter anderem bei Querdenken geläufigsten Verschwörungserzählungen und ihre Verbindungen zum Antisemitismus: Von der »Adrenochrom«-Erzählung, die als eine modernisierte Form der mittelalterlichen Ritualmordlegende zu betrachten ist, bis zur Vorstellung von einer »Zionist Occupied Government« (ZOG), einer »zionistisch besetzten Regierung«.

Denkstruktur analog zu der des Antisemitismus

Spannend dabei ist die Frage, warum Antisemitismus eine so zentrale Rolle in den Verschwörungsphantastereien spielt. RIAS-Bayern-Leiterin Annette Seidel-Arpacı erklärt dazu: »Die Denkstruktur von Verschwörungserzählungen funktioniert analog zu jener des Antisemitismus. Eine vermeintliche kleine, geheim agierende Elite, die für ›das Volk‹ Böses, für sich selbst aber Profit, Macht und Kontrolle wolle, steuere die Geschicke der Welt.« Entweder seien also Verschwörungserzählungen »ohnehin schon antisemitisch, oder sie sind aufgrund dieser strukturellen Gleichheit sehr anschlussfähig für offenen Antisemitismus, den Wahn von der ›jüdischen Weltverschwörung‹.«

Mit Sorge beobachte RIAS eine Radikalisierung im verschwörungsideologischen Milieu. Dies sei laut Seidel-Arpacı »besonders bedenklich, da Antisemitismus dazu drängt, auch zur physischen Tat zu schreiten«, also in Gewalt umzuschlagen. Auch im Allgäu zeichnet sich diese Entwicklung ab.

Die Broschüre ist als PDF online abrufbar, Printexemplare können unter info@rias-bayern.de bestellt werden. Bestellungen unserer preisgekrönten Recherche Voice of Anger und der rechte Untergrund im Allgäu legen wir die Broschüre unter anderem bei.

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Hilfe: Du hast selbst einen Übergriff erlebt?

Dann kannst du Hilfe bei B.U.D. Bayern bekommen. Das ist eine unabhängige Beratungsstelle für Betroffene von rechten, rassistischen und antisemitischen Übergriffen.

Zeug_innen können sich an B.U.D. Bayern wenden, dann wird der Vorfall registriert und Betroffenen geholfen – wenn sie das wollen.

Eltern, Angehörige und Freunde von Jugendlichen, die sich rechts orientieren, können Hilfe bei der Elternberatung bekommen.

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