Gemeinsam mit dem Zeitzeugen Ernst Grube erinnern Antifaschisten am einstigen KZ-Außenlager in Kempten an die Opfer der Terrorherrschaft der Nationalsozialisten.

Gegen das Vergessen

Gemeinsam mit dem Zeitzeugen Ernst Grube erinnern Antifaschisten am einstigen KZ-Außenlager in Kempten an die Opfer der Terrorherrschaft der Nationalsozialisten.

Mit dem Aufruf »nie wieder Krieg, nie wieder Faschismus« eröffnete und schloss Gisela May die Gedenkveranstaltung vor den deutsch-französischen Gedenktafeln an der Allgäuhalle in Kempten. Die Tafeln erinnern daran, dass das Gelände von 1943 bis 1945 als KZ-Außenlager von Dachau verwendet wurde. Als Sprecherin der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes / Bund der Antifaschisten (VVN-BdA) im Allgäu hatte May das Gedenken am 16. Mai 2019 organisiert.

Holocaustleugner, Verfassungsfeinde und Rassisten wieder in der Politik

Ilknur Altan, SPD-Stadträtin und Vorsitzende des Integrationsbeirates übermittelte Grüße des Oberbürgermeisters Thomas Kiechle in Form eines Redebeitrages. Sie führte unter anderem aus, dass sich heute wieder Holocaustleugner, Verfassungsfeinde und Rassisten in der Politik breit machten. Dagegen gelte es, seine Stimme zu erheben.

Der Kemptener CSU-Stadtrat und Städtepartnerschaftsbeauftragte Stefan Prause (CSU) erinnerte an eine Kundgebung im Jahre 1932 vor der Allgäuhalle, wo Adolf Hitler vor 30.000 Menschen aus
dem ganzen Allgäu sprach. Er erinnerte auch daran, dass die Städtepartnerschaft zwischen Kempten und dem französischen Quiberon als Zeichen der Versöhnung, des Friedens und des Dialogs und gegen Rechtsradiklismus und Intoleranz entstanden sei. Er regte den Aufbau eines Dokumentationszentrums in der Allgäuhalle an. Diese soll demnächst ohnehin ihren Dienst als Viehauktionshalle der Allgäuer Herdebuchgesellschaft einstellen.

Zeitzeuge erinnert an antifaschistischen Konsens der Gesellschaft

Gemeinsam mit dem Zeitzeugen Ernst Grube erinnern Antifaschisten am einstigen KZ-Außenlager in Kempten an die Opfer der Terrorherrschaft der Nationalsozialisten. (Photo: Kurt Wirth)
Gemeinsam mit dem Zeitzeugen Ernst Grube erinnern Antifaschisten am einstigen KZ-Außenlager in Kempten an die Opfer der Terrorherrschaft der Nationalsozialisten. (Photo: Kurt Wirth)

Die Hauptrede hielt Ernst Grube als einer der letzten Zeitzeugen und Überlebenden des Ghetto Theresienstadt, das auch Durchgangsstation auf dem Weg in die KZs war. Der Vorsitzende der Lagergemeinschaft Dachau verdeutlichte, dass es ausländische Arbeitskräfte und KZ-Häftlinge waren, die unter unmenschlichen Bedingungen gezwungen worden sind, die deutsche Wirtschaft kriegsfähig zu halten – gegen sich selbst, gegen ihre Völker, gegen ihre Familien. Zeitweise stellten sie 40 bis 60 Prozent der Betriebsbelegschaften.

1945 und danach gab es einen breiten Konsens, so Ernst Grube, dass sich nie wieder faschistische Anschauungen breit machen dürften. Nie wieder sollte von Deutschland Krieg ausgehen. Aus den leidvollen Erfahrungen wurde auch ein großzügiges Asylrecht geschaffen. Derzeit erleben wir laut Grube, dass diese Errungenschaften immer weniger Bestand haben. Rassismus, Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus seien längst nicht nur neonazistischen Kreisen vorbehalten, sondern fest verankert im gesellschaftlichen bürgerlichen Leben.

»Vermächtnis der Überlebenden ernst nehmen«

In den Parlamenten habe mit der AfD eine zutiefst rechte Partei Gestaltungsmacht erlangt. Für Ernst Gruben leben wir seit Ende des Zweiten Weltkriegs ohne Krieg, aber nicht in Frieden. Deshalb solle man das Vermächtnis der Überlebenden ernst nehmen und für die Durchsetzung der Menschenrechte sowie eine friedliche Zukunft kämpfen.

Mit vielen Klassikern der Friedensbewegung untermalte die Kemptener Band VETO die Veranstaltung.

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