Demonstration der Piusbruderschaft gegen den Christopher Street Day in Stuttgart 2009

Was soll die Angst vorm Teufel?

Pastor einer Allgäuer Freikirche geißelt die Debatte um ein drittes Geschlecht als »Aktion des Teufels«. Kommentar einer Feministin.

Der Pastor der Freikirche Marktoberdorf, Wolf Rumler, hielt einen Vortrag über die vermeintlichen Gefahren von Gender für Familie und Gesellschaft. Darin propagiert er nach eine Bericht der Allgäuer Zeitung vom 12. Februar 2019 das Bild einer Gesellschaft, die nur zwei Geschlechter zulässt.

Erhalt einer »gottgewollten Ordnung«

Er reiht sich damit in ein erstarkendes Netz an Antigenderist_innen in Bayern und im Allgäu ein. Eine mit Birgit Kelle als prominenter Vertreterin sehr bekannte vielfaltfeindliche Gruppe ist die Demo für Alle. Sie hetzt gegen die Ehe für Alle und eine angebliche »Frühsexualisierung« von Schüler_innen.

Am 23. Februar veranstaltet sie ein Symposium in München unter dem Titel »Elternrecht versus Staat: Wohin führen „Kinderrechte“ im Grundgesetz?«. Diese Gruppierungen, die sich dem Erhalt einer »gottgewollten Ordnung« und der Bewahrung von »Ehe, Familie und Moral« vor dem Zerfall verschreiben, sind gut vernetzt und gerade auch in christlichen Kreisen stark vertreten. Sie wettern gegen Homosexualität als  »Sünde Gottes« und als Terror einer Minderheit gegen die Mehrheit. Sie kritisieren vor allem den Begriff Gender und deuten ihn zu einer totalitären Ideologie um. Sie versuchen eine starre Zweigeschlechtlichkeit mit nur den Optionen Mann – Frau zu konservieren. Allerdings ist Geschlecht nicht nur über biologische Faktoren geprägt und hergestellt. Geschlecht ist immer von sozialen, kulturellen und historischen Faktoren abhängig und sozial konstruiert.

Angst vor dem Teufel

Demonstration der Piusbruderschaft gegen den Christopher Street Day in Stuttgart 2009
Demonstration der Piusbruderschaft gegen den Christopher Street Day in Stuttgart 2009CC BY-NC-ND 2.0

Auch wenn es durchaus kritische Stimmen an diesen oft sehr weit rechts stehenden Aussagen der Antigenderist_innen und am Inhalt des angeführten Vortrags gerade auch von Seiten christlicher Funktionsträger_innen gibt, machen doch viele andere Reaktionen deutlich, wie sehr sich christliche Antigenderist_innen scheinbar noch immer vor dem Teufel fürchten. Sie haben Angst vor einer Unordnung, einer Freiheit die durch den Fortschritt der Gender Forschung und die Errungenschaften eines feministischen Aktivismus erreicht wurde.

Das drückt sich in der Angst vor dem Ende von Ehe, Familie und Moral aus (und häufig sogar der Angst vor der Abschaffung der deutschen Gesellschaft, wodurch spätestens klar wird, dass argumentative Verbindungen zu rassistischem und extrem rechten Gedankengut existieren). Hier wird verzweifelt eine trügerische Ordnung verteidigt, die für viele Menschen nicht mehr passend ist. Bis zu 120.000 intersexuelle Menschen in Deutschland, bis zu 100.000 transidente Menschen und viele weitere Menschen, die sich der Zweigeschlechtlichkeit nicht unterordnen möchten, über 150.000 Ehescheidungen im Jahr 2017, und viele weitere Menschen, die nicht nach dem klassischen Familienbild leben möchten, lassen sich nicht ignorieren.

Hierarchisierung von Lebensformen aufbrechen

Anstatt ängstlich an einer überholten Ordnung festzuhalten und diese mit Mitteln zu verteidigen, die »abweichende« Menschen herabwürdigen, sollten wir uns über die Errungenschaften von feministischen Bewegungen freuen, wie sie sich im Begriff Gender kondensieren. Gender sollte weiterhin als das wertgeschätzt werden, was er ist: Als ein analytischer Begriff, der es ermöglicht, die Konstruktion von Geschlecht, die Verengungen auf Zweigeschlechtlichkeit und die Hierarchisierung von Lebensformen aufzubrechen – und damit den »Teufel« aus unserer Gesellschaft auszutreiben.

Ein Gedanke zu „Was soll die Angst vorm Teufel?“

  1. Tja, jetzt glaubte man über Jahrmillionen, dass es 2 Geschlechter gibt, wie man sich doch irren kann.
    Dank der grün-links total Verblendeten wissen wir nun, dass es eine Vielzahl Geschlechter gibt, wieviele muss noch ermittelt werden.

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