Anhänger der Turonen und Voice of Anger im Umfeld der Ausschreitungen in Apolda.(Photo: CC BY-NC 4.0 Pixelarchiv)

Allgäuer Neonazis an Ausschreitungen in Apolda beteiligt?

Flaschen- und Steinwürfe, Pfefferspray,  verletzte Polizisten: Nach einem gescheiterten Konzert liefern sich Neonazis in Thüringen Auseinandersetzungen mit der Polizei. Auch Anhänger von Voice of Anger waren vor Ort.

Acht Polizisten sind am Wochenende bei Ausschreitungen während eines Konzerts in Apolda verletzt worden. Mehr als 700 Rechte hatten sich dort auf dem Marktplatz versammelt, nachdem die eigentlich in Magdala mit mehreren Tausend Teilnehmern geplante Veranstaltung kurzfristig von den Behörden unterbunden wurde.

Teilnehmer des als Versammlung angemeldeten Konzertes warfen mit Steinen und Flaschen auf Polizisten und sprangen mit Kampfsportbewegungen in deren Reihen. Die Polizei setzte Tränengas ein, woraufhin die Veranstaltung vorzeitig beendet wurde. Versammlungsleiter Sebastian Schmidtke verkündete das Ende der Kundgebung mit einer Drohung: »Irgendwann werdet ihr euch wünschen, wir hätten nur Musik gemacht«.

Allgäuer Neonazis vor Ort

Der Plattenproduzent hinter dem Allgäuer Rechtsrock-Label Oldschool Records am 6. Oktober 2018 in Apolda. Dort kam es zu Ausschreitungen. (Photo: CC BY-NC 4.0 Pixelarchiv)
Der Plattenproduzent hinter dem Allgäuer Rechtsrock-Label Oldschool Records am 6. Oktober 2018 in Apolda. Dort kam es zu Ausschreitungen. (Photo: CC BY-NC 4.0 Pixelarchiv)

Die Neonazis reisten aus der ganzen Bundesrepublik, Österreich, der Schweiz, Schweden – und aus dem Allgäu in den kleinen Ort in Thüringen. So zeigten sich Anhänger von Voice of Anger auf dem Marktplatz in Apolda in Jacken der rechtsradikalen Skinheadkameradschaft Voice of Anger. Darunter etwa ein Mitglied der Neonaziband Schanddiktat. Auch der Allgäuer Plattenproduzent Benjamin Einsiedler war vor Ort. Einsiedlers Unternehmen Oldschool Records produziert und vertreibt in Bad Grönenbach einschlägige Neonazi-Propaganda. Zugleich gilt Einsiedler als Führungsfigur von Voice of Anger (VoA).

Auch eine Gruppe um einen Tätowierer und Bandmitglied von Act of Violence (AoV) trat die Reise nach Apolda an. Nachdem Recherchen von Allgäu ⇏ rechtsaußen eine Beteiligung des Gitarristen von Act of Violence aufdeckten, verliert der Nazi-Rocker womöglich seine Beteiligung an einem hippen Lokal in Illertissen.

Finanzierung und Vernetzung militanter rechtsradikaler Netzwerke

Anhänger von Voice of Anger am 6. Oktober 2018 in Apolda. Dort kam es zu Ausschreitungen. (Photo: CC BY-NC 4.0 Pixelarchiv)
Anhänger von Voice of Anger am 6. Oktober 2018 in Apolda. Dort kam es zu Ausschreitungen. (Photo: CC BY-NC 4.0 Pixelarchiv)

Maßgeblich an der Organisation des braunen Events beteiligten sich die Turonen. Die Neonazi-Gruppe tritt wie Voice of Anger als sogenannte Bruderschaft mit rockerähnlichen Kutten auf. Rechtsrockland, eine kürzlich in der ARD ausgestrahlte Dokumentation über die Bedeutung von Rechtsrockkonzerten für die Neonaziszene, zeigt Verbindungen der Turonen zu den internationalen militanten Neonazi-Netzwerken von Blood&Honour und der Hammerskins auf.

Demnach dienen die Rechtsrockkonzerte seit jeher der Vernetzung und Finanzierung rechtsradikaler militanter bis terroristischer Kreise. Auch das Umfeld des NSU war und ist immer wieder dort anzutreffen. In Apolda dürfte der Vernetzungscharakter der Veranstaltung stark unter den Ausschreitungen gelitten haben. Dennoch nutzt auch Voice of Anger wie so oft die Gelegenheit, Kontakte zu knüpfen und zu festigen. Ein Bild zeigt einen Anhänger der Allgäuer Skinheads, der sich in Begleitung seiner Kameraden mit einem Turonen unterhält.

Die Story im Ersten: Rechtsrockland

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