»stand with pride«: More than 3000 paper hearts on a wall. One of the winners of 2017s type with pride contest.

Queer Pride feiert: Friedrichshafen hisst Regenbogenfahne

Weil das Rathaus Friedrichshafen zum diesjährigen internationalen Tag gegen Homo-, Bi-, und Transfeindlichkeit erstmals eine Regenbogenflagge hisst, feiert das eine queere Gruppe mit einem Pride Weekend mit Queer-Pride-Demo im Juli und ruft zur Kundgebung am 17. Mai 2022 auf.

Am 17. Mai 2022 wird am Internationalen Tag gegen Homo-, Bi- und Transfeindlichkeit zum 1. Mal vor dem Rathaus in Friedrichshafen die Regenbogenflagge gehisst. Das erklärt eine queere Gruppe in einer Pressemitteilung. »Wir sind queere, lesbische, bisexuelle, nichtbinäre, agender, schwule, trans* Personen, solidarische heterosexuelle und viele weitere. Unterstützt werden wir von der  Blauen Blume e.V.«, heißt es dort.

Zusammen wollen sie »zeigen, dass Liebe vielfältig ist und queere Personen genauso lieben und geliebt werden wie heterosexuelle Personen. Wir setzen ein ganz klares Zeichen dafür, dass Vielfalt uns vereint und nicht trennt.«  Leider wollten das immernoch viele Personen und Parteien nicht wahrhaben. Deshalb kämpfe die Gruppe »für Sichtbarkeit und die Liebe, denn auch Bodensee Oberschwaben ist bunt!«

Mehr zu diesem Thema:  »Übergang zur Vielfalt« zerstört

CDU stellt queerfeindlichen Antrag und versucht Solidaritätsbekundung zu unterbinden

Letztes Jahr sei von allen im Friedrichshafener Gemeinderat vertretenen Fraktionen außer der CDU ein Antrag an die Verwaltung der Stadt Friedrichshafen gestellt worden. Inhalt des Antrags sei die Beflaggung des Rathauses mit einer Regenbogenflagge zum IDAHOBIT (Internationaler Tag gegen Homo-, Bi- und Transfeindlichkeit) gewesen. 

Die CDU habe damals einen Gegenantrag gestellt, wobei Gegenanträge zu stellen äußerst ungewöhnlich sei. Ihre Argumente waren demnach, dass die Beflaggung mit Regenbogenflagge die »Neutralität« des Hauses gefährde. Warum solle man Menschen mit gewissen »sexuellen Einstellungen«, so der Wortlaut der CDU, diese besondere Aufmerksamkeit schenken? 

»Die Formulierung „sexuelle Einstellung“ ist eine von Vorurteilen geprägte Sicht auf queere Personen. Es handelt sich nämlich um eine sexuelle Orientierung, keine Einstellung. Kein Mensch entscheidet sich für eine Sexualität oder geschlechtliche Identität. Ebenso kann es nicht sein, dass eine Partei und eine Stadtverwaltung neutral gegenüber Diskriminierung von queeren Menschen sein möchte. Wir brauchen keine Neutralität, wir brauchen eine ganz klare Positionierung für Akzeptanz!«, so die für die Gruppe mit der Presse sprechende Person Jonathan Oremek (17).

Dennoch habe der Antrag mit großer Mehrheit Anklang gefunden. Deshalb wird dieses Jahr zum ersten Mal am Rathaus eine Regenbogenflagge zum 17. Mai, dem IDAHOBIT, gehisst. 

Anlässlich dieser Beflaggung werde es einen 15:00 Uhr vor dem Rathaus einen Infostand geben und ab 17:00 Uhr eine Kundgebung, auf der neben Vertretenden der queeren Community und der Aids Hilfe Ulm auch die Gleichstellungsbeauftragte des Bodenseekreises, Veronika Wäscher-Göggerle sprechen wird.

»Wir haben es satt und sagen Stopp!«

»Wir haben es satt, dass über uns geredet wird, aber nicht mit uns. Wir erleiden tägliche Diskriminierungserfahrungen am Bodensee und sagen STOPP!«, betont Oremek. Es gäbe neben lokaler Diskriminierung am Arbeitsplatz, auf der Straße oder in der Schule auch strukturelle Diskriminierung die immer noch vom Staat ausgeht.

Nach wie vor gäbe es in vielen Bereichen, wie beispielsweise bei der Gründung einer Familie, keine gleichberechtigte Behandlung. Lesbische Paare würden durch das Abstammungsgesetz weiterhin diskriminiert, ihnen werde die Adoption erschwert und sogenannte »Konversionstherapien« seien immernoch erlaubt, welche homosexuelle Menschen sowie trans* Personen »heilen« sollen. Dabei bedürfe Queerness keiner Heilung! Weitere Beispiele von Diskriminierung gegen Queers sei das veraltete, diskriminierende TSG (Transsexuellengesetz), welches trans* Personen den Weg zur Geschlechtsangleichung erschweren soll. Ebenso gäbe es immernoch Einschränkungen beim Blutspenden und zu wenig Aufklärung allgemein.

Forderungskatalog an Bodenseekreis und Landkreis Ravensburg

»stand with pride«: More than 3000 paper hearts on a wall. One of the winners of 2017s type with pride contest.
»stand with pride«: More than 3000 paper hearts on a wall. One of the winners of 2017s type with pride contest.

Daher fordert die Gruppe »endlich gleiche Rechte für alle!« und stellt die folgenden Forderungen an den Bodenseekreis und den Landkreis Ravensburg:

»1. Vom Bodenseekreis und dem Landkreis Ravensburg, sowie den Kommunen finanzierte oder zumindest unterstützend finanzierte Schaffung von Beratungsstrukturen für Betroffene und deren Angehörige sowie Fachkräfte. Die Mittel für die Beratungsstrukturen sowie die Trägerschaft könnten auch von einem freien Träger oder aus Fördertöpfen kommen und übernommen werden. Dort soll es ausgebildetes und qualifiziertes Personal geben, welches in Kooperation mit bereits bestehenden queeren Strukturen, wie z.B. der trans* youth Bodensee aus dem Verein Übergang zur Vielfalt. Die Versorgung soll mit Beratung sichergestellt werden. Dies  an einer zentralen Stelle, wie bspw. Friedrichshafen oder Ravensburg . Wir wünschen uns eine enge Zusammenarbeit mit den Gleichstellungsbeauftragten der jeweiligen Landkreise.

2. Weiterbildung und Sensibilisierung in Bezug auf queere Themen für Lehrkräfte, Sozialarbeitende, Beschäftigte in der Verwaltung und andere relevante Stellen, um die Ungleichbehandlung von queeren Personen überhaupt erst verstehen zu können um dann handeln zu können. (Anti-Bias Schulungen, Aufbau von sogenannter Regenbogenkompetenz, queere Jugendarbeitsstrukturen)

3. Gezielte Aufklärungsarbeit gegen Queerfeindlichkeit an Schulen, Hochschulen und den Beteiligungsfirmen von Landkreis und Städten (Stadtwerke, ZF, ZEPPELIN, usw.) sowie entschlossenes Vorgehen gegen Gewalt an queeren Menschen und Präventiosarbeit in den Landkreisen. (Einrichtung von Runden Tischen, Präventionsprogrammen, Unterstützung Betroffener)

4. Das etablieren von dezentralen safer spaces, also Treffpunkte und Orte für queere Menschen – und zwar in jeder Stadt und Gemeinde in den Landkreisen.

5. Eine bessere medizinische und psychosoziale Versorgung von insbesondere transMenschen im Bodenseekreis und Umgebung. Alle zuständigen Ärztinnen befinden sich in Ulm, Konstanz oder noch weiter weg. Eine zuverlässige Versorgung muss gewährleistet werden!«

Queer Pride fordert: »Endlich gleiche Rechte für uns Alle!«

Um das einzufordern und die Beflaggung des Rathauses zu feiern, veranstaltet die Gruppe vom 22. bis 24. Juli zudem ein Pride Weekend. Eine besondere Bedeutung werde die Queer Pride, ein Demozug am 23. Juli vom Augustusplatz einnehmen. Das Motto lautet: »Endlich gleiche Rechte für uns Alle!«

Der genaue Ablauf mit Workshops und Vorträgen werde mit freundlicher Unterstützung bei Queer Freiburg auf deren Website sowie auf Instagram @lgbtqbodensee veröffentlicht.


Hilfe: Du hast selbst einen Übergriff erlebt?

Dann kannst du Hilfe bei B.U.D. Bayern bekommen. Das ist eine unabhängige Beratungsstelle für Betroffene von rechten, rassistischen und antisemitischen Übergriffen.

Zeug_innen können sich an B.U.D. Bayern wenden, dann wird der Vorfall registriert und Betroffenen geholfen – wenn sie das wollen.

Eltern, Angehörige und Freunde von Jugendlichen, die sich rechts orientieren, können Hilfe bei der Elternberatung bekommen.

Und wenn du selbst etwas gegen Rechts unternehmen willst, steht dir die Mobile Beratung zur Seite.

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