Was macht Querdenken im Allgäu und Oberschwaben? (KW 08/22)

Am Montag halbiert sich die Zahl der Teilnehmenden der sogenannten Querdenken-Spaziergänge. Dennoch marschieren wieder Tausende im Allgäu und Oberschwaben. 

Anmerkung: Auch wenn sich die Bewegung der Pandemie-Leugner*innen, Verschwörungsideolog*innen und Impfgegner*innen inzwischen nur noch selten auf ihre ursprüngliche Selbstbezeichnung Querdenken bezieht, werden wir diese beibehalten. Das hat mehrere Gründe. Zum einen wollen wir der taktischen Selbstverharmlosung der Szene als »Spaziergänger« nicht Vorschub leisten. Zum anderen hat sich der innere Kreis der Proteste seit Beginn der Pandemie wenig gewandelt und setzt personell noch immer stark auf jene Personen, die bereits bei den ersten sogenannten Hygienedemos etwa in Kempten Reichsbürger-Thesen verbreiteten. Mit der Bezeichnung Querdenken dagegen hatte sich ein Großteil der Bewegung auch wegen des verschwörungsideologischen Bezugs auf Q-Anon in der Vergangenenheit selbst identifiziert. Entsprechende Inhalte kursieren weiterhin ungebrochen unter den Teilnehmenden, werden aber auf Demonstrationen weniger stark nach außen getragen.

Vortrag »Gemixtes Geschwurbel: Querdenken zwischen Verschwörungsmythen und knallharten Nazis«

Wo sind hier eigentlich die Nazis und wo ist das Problem, wenn »Spaziergänger*innen« gemeinsam mit ihnen auf die Straße gehen? Was dagegen tun?!

Für eine Initiative aus Kusel in der Nähe von Idar-Oberstein, wo ein Maskengegner einen Tankstellenmitarbeiter erschoss, berichten die Aktivistin Hanna Poddig aus Flensburg und der Journalist Sebastian Lipp aus Kempten von Recherchen und Aktionen gegen Querdenken und ihre Ableger und erläutern, warum diese so wichtig sind.

670 marschieren durch Memmingen

Memmingen, 17. Februar 2022. Am Donnerstag fand im Zeitraum zwischen 18:00 Uhr und 19:45 Uhr eine sich fortbewegende Versammlung der Corona-Maßnahmen-Gegner im Memminger Innenstadtbereich mit Auftakt- und Schlusskundgebung auf dem Schrannenplatz statt. Das berichtet die Polizei in einer Mitteilung an die Presse. Zu dieser Versammlung fanden sich demnach in der Spitze 670 Personen ein. Durch die Polizei wurden zeitweise Kreuzungen und Straßen gesperrt. Die angeordneten Auflagen, insbesondere die Abstandsregelung und Blockbildung, seien eingehalten worden, die Versammlung »friedlich und störungsfrei« verlaufen.

»Beeinträchtigung der Verkehrsteilnehmer« in Vorarlberg

Bregenz, 19. Februar 2022. »Aufgrund eines angemeldeten Demonstrationszuges kommt es am 19.2.2022, zwischen 17.45 Uhr und 19.00 Uhr zu Verkehrsbehinderungen auf der Landesstraße 202, Bahnhofstraße und Seestraße bis zum Kreisverkehr bei der Höheren Technischen Lehranstalt, sowie in der Innenstadt von Bregenz.« Das meldete die Landespolizeidirektion Vorarlberg am Vortag (Pressebericht Nr. 3037). Die Polizei begleite den Protestmarsch und versuche, die »Beeinträchtigungen für die Verkehrsteilnehmer« so gering als möglich zu halten. Über Verlauf und Inhalt der Demonstration am Samstag berichtete die Landespolizei indes auch im Nachgang nicht.

Impfgegner*innen aus Vorarlberg und dem Allgäu im Kleinwalsertal

Kleinwalsertal, 19. Februar 2022. Zu einer Kundgebung mit anschließendem Marsch durch Riezlern trafen sich Impfgegner*innen am Samstagnachmittag im Kleinwalsertal. Das berichtet die Allgäuer Zeitung. Neben Gruppen aus Vorarlberg seien auch Demonstrierende aus dem Allgäu – etwa aus Sonthofen und Kaufbeuren – gekommen.

60 ziehen unangemeldet durch Pfronten

Pfronten, 19. Februar 2022. Am Samstagvormittag um 11:00 Uhr versammelten sich 60 Personen, die der Impfgegner-Szene zugehörig sind, beim Skizentrum Pfronten-Steinach. Das berichtet die Polizei in einer Mitteilung an die Presse. Anschließend zog der Aufzug von Pfronten-Steinach bis Pfronten-Ried und anschließend wieder zurück. Ein*e Versammlungsleiter*in habe sich nicht zu erkennen gegeben. Die Versammlung verlief störungsfrei, so die Polizei.

Wieder ziehen 450 unangemeldet durch Illertissen

Illertissen, 20. Februar 2022. Am Sonntagnachmittag kam es im Stadtgebiet erneut zu einem Zusammentreffen von Gegner*innen der Corona-Infektionsschutzmaßnahmen. Etwa 450 Personen nahmen nach einem Bericht der Polizei an der nicht angemeldeten Versammlung teil. Die Szene traf sich demnach zunächst in kleineren Gruppen auf diversen Plätzen in Illertissen und formierte sich schließlich zu einem Aufzug entlang der Staatsstraße 2031, also im Bereich der Ulmer Straße.

Während des selbstverharmlosend als »Spaziergang« bezeichneten Aufmarsches »taten die Protestierenden mit Trillerpfeifen, Tröten, Trommeln und einer Trompete ihrem Unmut kund«, heißt es im Polizeibericht. Die Teilnehmenden liefen auf den Gehwegen zunächst in nördlicher Richtung bis zum Kreisverkehr Saumweg. Dort querte der Aufzug die Staatsstraße und bewegte sich wieder gen Süden. An der Hirschkreuzung machte der Protestzug erneut kehrt. Anschließend ging es wiederum in Richtung Norden und es erfolgte eine nochmalige Runde entlang der Staatsstraße. An der Hirschkreuzung beendete ein Großteil der Teilnehmenden schließlich den Protest.

Etwa 200 Personen bewegten sich noch die Hauptstraße entlang in Richtung Rathaus. Die Protestierenden drehten von dort aus noch eine Schleife durch das Wohngebiet im Süden von Illertissen. Nach zwei Stunden wurde die Protestaktion schließlich auf dem Marktplatz beendet. Die Behörde schließt den Bericht mit den Worten: »Es kam während des Aufzugs nur zu kleineren Verkehrsbehinderungen. Die Versammlung verlief durchwegs friedlich. Es gab keine Beanstandungen durch die Polizei.«

Wenig Zuspruch in Scheidegg

Scheidegg, 20. Februar 2022. Die Zahl der Orte, an denen Corona-Kundgebungen abgehalten werden, steigt nach einem Bericht des Westallgäuers von Montag. Am Sonntag gingen demnach auch in Scheidegg Gegner*innen der Corona-Politik zu einem »Spaziergang« auf die Straße. Die Kundgebung, die nach Angaben von Beobachter*innen lautlos über die Bühne ging, war nicht angemeldet, ebenso wie gleichartige Veranstaltungen in Lindenberg, Weiler, Heimenkirch und Lindau. Nach Angaben von Beobachter*innen war der Zuspruch an der Kundgebung in Scheidegg allerdings begrenzt. Die Rede ist von mehreren Dutzend Teilnehmenden, so die Zeitung.

Nur noch knapp 5.000 bei Montagsversammlungen in Süd-West-Schwaben

Auch an diesem Montag fanden zahlreiche angezeigte und unangemeldete Versammlungen im Zuständigkeitsbereich des Polizeipräsidiums Schwaben Süd/West statt. Der Polizei wurden insgesamt 24 Versammlungen bekannt, die Gesamtanzahl der Teilnehmenden wurde auf etwa 4.800 geschätzt, wie es im Bericht der Polizei heißt.

Zur größten angezeigten Versammlung kam es demnach wiederum in Kempten mit rund 1.500 Teilnehmernden, die sich zu einem Aufzug durch die Innenstadt trafen. Durch den Aufzug kam es zu kurzzeitigen Verkehrsbehinderungen.

Danach zählten die Einsatzkräfte bei Versammlungen in Mindelheim etwa 750, in Sonthofen und Marktoberdorf je etwa 300 Teilnehmende.

Eine Gegendemonstration fand in Kempten statt. An dieser nahmen etwa 25 Personen teil.

»Alle Versammlungen verliefen störungsfrei«, schließt der Polizeibericht.

1.500 marschieren durch Kempten

Zeitweise führte eine selbst gemalte Flagge den Demonstrationszug an, die offenbar die bei Rechten und Verschwörungsideolog*innen beliebte Gadsden-Flagg ersetzen soll.
Zeitweise führte eine Flagge den Demonstrationszug an, die offenbar die bei Rechten und Verschwörungsideolog*innen beliebte Gadsden-Flagge ersetzen soll.

Kempten, 21. Februar 2022. Am Montagabend fand in Kempten ab 18:00 Uhr eine angezeigte sich fortbewegende Versammlung mit dem Thema »Spaziergang für Frieden, Freiheit und Selbstbestimmung« statt. So berichtet es die Polizei. An dem Aufzug durch die Innenstadt nahmen demnach circa 1.500 Personen teil. Dabei protestierten die Versammlungsteilnehmenden »lautstark gegen die derzeitigen Corona-Maßnahmen«, wodurch es zu kurzzeitigen Verkehrsbehinderungen gekommen sei.

Zeitgleich fand auf dem Residenzplatz ein stationärer Gegenprotest zum montäglichen Querdenken-Protest statt, an dem sich rund 25 Personen beteiligten.

Insgesamt seien »beide Demonstrationen friedlich und störungsfrei« verlaufen.

Nach Erkenntnissen von Allgäu rechtsaußen war erneut eine der gelben Gadsden Flaggen zu sehen. Zuvor waren davon noch mehrere zu sehen. Doch nachdem Allgäu rechtsaußen in der vorvergangenen Woche über deren Bedeutung aufklärte, sind diese offenbar größtenteils durch Flaggen ersetzt worden, die ebenfalls eine Schlange und den leicht abgewandelten Wahlspruch »Don’t step on snake« zeigen. Eigentlich heißt es: »Don’t tread on me«. Diese Flaggen stammen aus der Zeit der US-amerikanischen Revolution und werden heute zunehmend von extremen Rechten und Verschwörungsideolog*innen verwendet.

Derartiges Verhalten kritisierte Daniel Langhans als »Abgrenzeritis«. Der Verschwörungsideologie streamte am Montag live aus der Demo in Kempten und behauptete, dort habe man »im Moment ein Ziel: Man will sich abgrenzen, um von den Mainstreammedien nicht in die Pfanne gehauen zu werden.« Doch das hält der Szene-Star für eine falsche Strategie, denn: »Die Mainstreammedien sind gar keine Medien. Sondern sie sind eine Waffe, eine Waffe der Global-Faschisten. Sie haben diese Medien erworben über viele Jahrzehnte immer mehr konzentriert, es gibt nur noch fünf große Medienkonzerne und über die wird die ganze Welt gelenkt.« Andernorts machte Langhans den antisemitischen Gehalt solcher Verschwörungserzählungen explizit.

Unangemeldet ziehen 100 durch Füssen

Füssen, 21. Februar 2022. Am Montagabend trafen sich laut Polizei am Rathaus erneut circa 100 Personen. Die Versammlung gegen die Corona-Maßnahmen war wie bereits in den Vorwochen nicht angemeldet und ein Versammlungsleiter gab sich ebenfalls nicht zu erkennen., schreibt die Polizei Beim Aufzug durch die Innenstadt hätten keine Verstöße gegen die zuvor von der Polizei erteilten Auflagen festgestellt werden können. Die Versammlung endete gegen 19 Uhr am Rathaus.

Auch in Pfronten 100 bei unangemeldetem Marsch

Pfronten, 21. Februar 2022. Am Montagabend gegen 19:00 Uhr versammelten sich circa 100 Personen, die gegen die Corona-Maßnahmen protestierten, am Leonhardsplatz in Pfronten-Ösch und liefen anschließend durch Pfronten-Ried und Pfronten-Berg. Das berichtet die Polizei in einer Mitteilung an die Presse. Ein Versammlungsleiter habe sich auch hier nicht zu erkennen gegeben. Die Versammlung »endete friedlich gegen 20:00 Uhr auf dem Leonhardsplatz.«

360 marschieren durch Marktoberdorf

Marktoberdorf, 21. Februar 2022. Am Montagabend trafen sich erneut rund 360 Teilnehmende auf dem Marktplatz in Marktoberdorf zu einer angemeldeten Versammlung. Das teilt die Polizei der Presse mit. Der anschließende Demonstrationszug über mehrere Straßen führte wieder zurück auf den Marktplatz, wo die Schlusskundgebung stattfand. »Während des gesamten sehr friedlichen Verlaufs kam es lediglich beim Überqueren der Straßen zu kleineren, kurzzeitigen Verkehrsbehinderungen«, so die Polizei, die den Demonstrationszug durch die Stadt begleitete.

In Markt Wald demonstrieren 20 Personen

Markt Wald, 21. Februar 2022. Am Montagabend fanden sich nach einem Bericht der Polizei mehrere Menschen in der Nähe der Grundschule in Markt Wald ein. Etwa 20 Personen zogen demnach anschließend durch den Ort, bis sie am Rathaus ankamen und sich die Versammlung auflöste. Die Versammlung war sei nicht angemeldet worden, eine Versammlungsleitung habe sich nicht zu erkennen gegeben. Der Aufzug wurde durch die Bad Wörishofer Polizei begleitet, die feststellt: »Es kam zu keinen größeren Verkehrsbehinderungen.«

145 ziehen durch Bad Wörishofen

Bad Wörishofen, 21. Februar 2022. Am Montagabend fanden sich nach Polizeiangaben rund 145 Personen im Bereich des Kurhauses zu einer angemeldeten Versammlung ein. Der Aufzug mit Start und Ziel beim Kurhaus wurde durch die Bad Wörishofer Polizei begleitet und verlief laut dieser »friedlich und ohne Störungen. Es kam zu keinen größeren Verkehrsbehinderungen.«

Mehr als 450 in Memmingen, Ottobeuren und Babenhausen

Memmingen / Ottobeuren / Babenhausen, 22. Februar 2022. Wiederholt fanden am Montag im Dienstbereich der Polizeiinspektion Memmingen mehrere Demonstrationen der Corona-Maßnahmengegner statt, wie diese in einer Mitteilung an die Presse berichtet. Gegen 18:00 Uhr fanden sich demnach circa 250 Personen am Schrannenplatz in Memmingen ein. Die in Babenhausen stattfindende Demonstration habe 175 Personen angezogen. Die nicht angemeldete in Ottobeuren stattfindende Versammlung habe einen Zulauf von circa 60 Personen gehabt. »Alle Versammlungen verliefen störungsfrei und friedlich. Die Polizei musste kurzfristig Straßen und Kreuzungen sperren.«

Polizei übernimmt erneut Versammlungsleitung für 850 Demonstrierende in Mindelheim

Mindelheim, 21. Februar 2022. Am Montag versammelten sich bis 18:30 Uhr zunächst circa 600 Personen auf dem Marienplatz. Das berichtet die Polizei, die die Leitung der nicht angemeldeten Veranstaltung übernahm und die Auflagen der Allgemeinverordnung des Landratsamtes bekannt gab. Danach habe sich der Zug in Richtung der Aufzugstrecke in Bewegung gesetzt.

Zu einem Stopp kam es nach der ersten Runde am Marienplatz, bei dem die Deutschlandhymne aus der Gruppenspitze angestimmt worden sei.

Die Polizei will dabei eine Person identifiziert haben, die mehrfach leitend in das Versammlungsgeschehen eingegriffen hatte. Der Vorgang werde dem Landratsamt zur Prüfung auf rechtliche Relevanz bezüglich einer Ordnungswidrigkeit nach dem Bayerischen Versammlungsgesetz vorgelegt. In der zweiten Runde seien circa 850 Teilnehmende gezählt worden, die sich nach Beendigung der Versammlung um 19:30 Uhr zügig vom Marienplatz entfernt hätten.

Omas wollen in Füssen gegen AfD und Querdenken demonstrieren

Das Füssener Bündnis für Demokratie und Solidarität Füssen ist bunt ruft erneut auf, am Sonntag, dem 27. Februar um 12:15 Uhr zu einer Kundgebung am Stadtbrunnen, Reichenstraße, in Füssen zu kommen. »Wir wollen wieder ein Zeichen setzen für Zusammenhalt und Toleranz und für unseren Rechtsstaat einstehen«, heißt es in einer Einladung der örtlichen Omas gegen Rechts. Bislang demonstrierten Sonntags zu dieser Zeit Querdenken und AfD.


Hilfe: Du hast selbst einen Übergriff erlebt?

Dann kannst du Hilfe bei B.U.D. Bayern bekommen. Das ist eine unabhängige Beratungsstelle für Betroffene von rechten, rassistischen und antisemitischen Übergriffen.

Zeug_innen können sich an B.U.D. Bayern wenden, dann wird der Vorfall registriert und Betroffenen geholfen – wenn sie das wollen.

Eltern, Angehörige und Freunde von Jugendlichen, die sich rechts orientieren, können Hilfe bei der Elternberatung bekommen.

Und wenn du selbst etwas gegen Rechts unternehmen willst, steht dir die Mobile Beratung zur Seite.

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