Stacheldraht am Konzentrationslager Sachsenhausen.

Richterlicher Tadel für Nazi-Parolen an der Rodelbahn

Üble rassistische Beleidigungen und Hitlergrüße musste ein Mitarbeiter einer Sommerrodelbahn im Oberallgäu über sich ergehen lassen. Als Konsequenz gibt es jetzt nur richterlichen Tadel für die Maibaumkameradschaft, weil das Amtsgericht Sonthofen nicht klären kann, wer genau was gesagt hat.

Es war ein launiger Ausflug, der jetzt ein Nachspiel am Amtsgericht Sonthofen hatte. Die Maibaumkameradschaft eines Ortes in Baden-Württemberg fuhr zu einer Sommerrodelbahn ins Oberallgäu. Vier Teilnehmer legten sich mit einem Mitarbeiter der Rodelbahn an. Dabei fielen die Worte »Heil Hitler« und »Sieg Heil«. Das berichtet die Allgäuer Zeitung vom 15. November 2019.

Der 45-jährige Angeklagte, verheiratet und Vater von vier Kindern, habe mit der ganzen Gruppe rodeln wollen. Weil so viele Leute anstanden, sei er mit drei anderen aber noch einmal weggegangen. In der Zwischenzeit sei der Rest der Gruppe bereits gefahren.

Angeklagter weist Nazi-Parolen von sich

Als auch er dann rodeln wollte, sei es zum Streit mit einem Mitarbeiter der Bahn gekommen, der der Gruppe die Fahrt habe verwehren wollen. Dabei seien Beleidigungen gefallen, gab der Angeklagte zu. Die nationalsozialistischen Parolen habe er aber von sich gewiesen.

Der Bahnmitarbeiter dagegen sagte laut Allgäuer Zeitung aus, gemäß der Beförderungsbedingungen die Mitfahrt von Personen unter Alkohol- und Drogeneinfluss unterbinden zu müssen. Darauf sei er übel rassistisch beleidigt worden und habe die Nazi-Sprüche ertragen müssen. Auch ein Polizist, der seine Freizeit an der Rodelbahn verbrachte, hatte demnach die Nazi-Parolen gehört. Beide konnten sie aber nicht sicher dem Angeklagten zuordnen.

Verfahren eingestellt

Die Richterin stellte das Verfahren ein. Nun soll der Angeklagte eine Geldauflage von 300 Euro begleichen müssen. Seine als Zeugen anwesende Kameraden habe die Richterin noch einmal in den Gerichtssaal beordert. »Einer von euch war das«, zitiert die Zeitung Gramatte-Dresse und ermahnte die Gruppe, in Zukunft weniger Alkohol zu trinken und sich anständig zu benehmen.


(Titelbild: Sachsenhausen concentration campGeson Rathnow, CC by-nc-sa)

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