Neonazis passen Journalisten ab

Neonazis passen Journalisten ab, drohen und tauchen später bei einem davon zu Hause auf.

Am Montag, den 22. Januar, passte mehr als ein halbes Dutzend Neonazis Journalisten an der Außenstelle Memmingerberg des Amtsgericht Memmingen ab. Der Sänger der bekannten Neonaziband Faustrecht, Norbert »Nogge« Lecheler, und Anhänger der rechtsradikalen Skinheadkameradschaft Voice of Anger verfolgten zwei Reporter von Allgäu ⇏ rechtsaußen beim Verlassen des Gerichtsgebäudes während weitere Neonazis sich vor dem Gebäude aufgebaut hatten und photographierten.

Ein Teil der Gruppe versuchte den Reportern den Weg zu ihrem Fahrzeug abzuschneiden und postierte sich schließlich bedrohlich um das Auto. So wurde der Abfahrtsweg zeitweise blockiert. Später schlich ein Teil der Verfolger um die Privatwohnung eines der Betroffenen. Ein Jahr zuvor wurden hier offenbar gezielt die Scheiben zweier Autos eingeschlagen.

Wenige Wochen vor dem Anschlag dokumentierte der Betroffene eine Veranstaltung der NPD Schwaben. Im Bericht zum Neonazi-Treffen hieß es, er wurde

»von den NPD-Mitgliedern Kast, Winkler und einigen Anhängern von Voice of Anger bei seiner Arbeit bedrängt und bedroht. Die anwesende Polizei Schritt nicht ein, weil sie die Situation nicht als bedrohlich erkannt habe. Stattdessen schlugen Polizisten vor, der Fotograf könne seine Arbeit beenden, um zur Deeskalation beizutragen. Die Polizei schritt ebenfalls nicht ein, als zwei der Neonazis den Journalisten später bis zu seinem Auto verfolgten.«

Auch dieses Mal griff weder die Justizwachtmeisterei noch die im Gebäude anwesenden Angehörigen von Polizei und Staatsschutz ein. Letztere konnten beobachten, wie die Betroffenen das Gebäude verließen und von den Neonazis verfolgt wurden, folgten ihnen jedoch nicht.


(Titelbild: Symbolphoto. Neonazi posiert drohend am 20.12. vor Kundgebung gegen NPD im Memminger Ortsteil Steinheim ©S. Lipp)

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